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Liebe Patientinnen, möglicherweise haben Sie bereits festgestellt, dass Brustimplantate des Herstellers Allergan derzeit in den Schlagzeilen sind (siehe Gefahr seltener Krebserkrankung – Verkauf von Brustimplantaten gestoppt, 21.12.2018, SPIEGEL online). Wir möchten nachfolgend gerne erläutern, um was es genau geht.

Was ist geschehen?
Am 16. Dezember 2018 wurde die Zulassung für aufgeraute (sogenannte texturierte) Silikon-Implantate des Herstellers Allergan nicht verlängert, da diese in Verdacht stehen, eventuell eine seltene Krebsform zu begünstigen (anaplastische großzellige Lymphome, ALCL). Glatte Implantate von Allergan sind nicht betroffen.

Die betroffenen rauen Silikon-Implantate von Allergan wurden weltweit eingesetzt und gelten eigentlich als besonders hochwertig. Auch wir haben diese Implantate verwendet, setzen jedoch schon seit einiger Zeit größtenteils auf Implantate des Herstellers Eurosilicone, die nicht betroffen sind.

Ich habe genau diese Implantate von Allergan. Wie groß ist das Risiko, zu erkranken?
Zunächst einmal besteht nach derzeitigem Wissensstand akut kein Grund zur Sorge. Die Wahrscheinlichkeit zu erkranken wird als sehr gering eingeschätzt, auch wenn die Zahlen hier stark schwanken:

  • Die Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) berichtet in ihrer aktuellen Stellungnahme beispielsweise, dass die Schätzungen derzeit zwischen 1:100.000 (also 1 Betroffene je 100.000 Frauen mit Implantaten) und 3:100.000.000 (also 3 Betroffene je 100.000.000 Frauen mit Implantaten) liegen [1].
  • Die FDA (U.S. Food and Drug Administration) schätzt das Risiko höher ein und bezieht sich in ihrer Stellungnahme auf Publikationen, die von 1:3.817 (also 1 Betroffene je 3.817 Frauen mit Implantaten) und 1:30.000 (also 1 Betroffene je 30.000 Frauen mit Implantaten) berichten [2].

Sollte ich meine rauhen Silikon-Implantate von Allergan vorsichtshalber entfernen lassen?
Nein, dies wird in Anbetracht des seltenen Auftretens der Erkrankung weder von der FDA noch von der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen empfohlen [1, 2].

Sollte ich trotzdem auf bestimmte Symptome achten?
Es wird empfohlen, einen Arzt aufzusuchen, wenn es mindestens ein Jahr nach der Implantation zu einer starken Flüssigkeitsansammlung in der Brust kommt, sowie zu Asymmetrien und Schmerzen [1, 2]. Dies bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Erkrankung auch vorliegt.

Weiterhin interessant ist noch die Erkenntnis der FDA, dass die Erkrankung bei den betroffenen Frauen meist 7-8 Jahre nach dem Einbringen der Implantate aufgetreten ist – und, dass in den meisten Fällen Frauen betroffen sind, die bereits einen Implantatwechsel vornehmen ließen (Revisons-OP).

Gut zu wissen: Sollte es sich tatsächlich um die extrem seltene Erkrankung handeln, wird zumeist eine Heilung erreicht, indem das Implantat sowie die umschließende Kapsel entfernt wird.

Unabhängig davon sollten Sie aber ohnehin am besten jährlich zur Routinekontrolle in unsere Praxis kommen.

Quellen:
[1] https://www.dgpraec.de/wp-content/uploads/2018/12/2018-12-20-Patienteninformation_ALLERGAN.pdf
[2] https://www.fda.gov/medicaldevices/productsandmedicalprocedures/implantsandprosthetics/breastimplants/ucm239995.htm

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